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Berlin – Die Senatsverwaltung für Finanzen will ehemalige jüdische Aktionäre nicht für enteignete Anteile am Berliner Zoo entschädigen. Stattdessen verschanzt sich der Senat hinter Paragraphen und einem Angebot für freien Eintritt, wie aus der Antwort der Senatsverwaltung an den Abgeordneten Oliver Höfinghoff  (Piraten) hervorgeht, die Spreemilieu vorliegt.

Im Rahmen der „Arisierung“ wurden die 1500 Juden unter den 4000 Anteilseignern der Zoologischer Garten Berlin AG ab 1938 gezwungen ihre Wertpapiere zu extrem schlechten Bedingungen zu verkaufen. Mit 3,5 Millionen Euro Jahresüberschuss im letzten Geschäftsabschluss ist der Zoo heute ein erfolgreiches Unternehmen. Das Land Berlin ist durch Aufsichtsfunktionen, Eigentumsanteile und Grundstücksüberlassung unmittelbar mit dem Zoo verbunden.

Höffinghoff hatte im Dezember des vergangenen Jahres den Senat schriftlich unter anderem gefragt, ob die Behörde in dieser Funktion „eine Entschädigung der Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen grundsätzlich für notwendig“ halte.

Zuvor hatte die Kampagne Makezoopay auf die Situation aufmerksam gemacht. Die Aktivisten wollen das Land Berlin dazu bewegen, den Geschädigten und ihren Erben den heutigen Wert der arisierten Aktien zu erstatten.

Kränze statt Kohle

Unter Verweis auf das Vermögensgesetz schreibt die Finanz-Senatsverwaltung, dass die Ansprüche an die Aktiengesellschaft bereits verjährt seien. Im Zentrum der Wiedergutmachung des Unrechts in der Zeit des Nationalsozialismus stehe daher „heute nicht individuelle Restitution sondern öffentliche Aufarbeitung und Erinnerungsarbeit.“

Der Sprecher der Kampagne Makezoopay Karl August kritisiert die Antwort heftig: „Die individuellen Ansprüche der Geschädigten spielen für den Berliner Zoo und den Berliner Senat keine Rolle.“ Konkret bedeute das letztlich, „dass das Land Berlin die Nachkommen beraubter Zoo-Aktionäre allein lässt.“

Zoo-Freikarten als Aktien-Entschädigung

Auch die Frage, ob der Zoo den Kontakt zu Überlebenden oder Nachfahren der betroffenen Familien aktiv gesucht habe, um das Unrecht zu korrigieren, verneint die Senatsverwaltung. Der Zoo habe jedoch immer betont, „dass er für Anfragen und Nachforschungen bzgl. des Verbleibs oder der Herkunft von Aktien jederzeit zur Verfügung steht, soweit das die Aktenlage zulässt.“

Falls jemand einen Anspruch nachweisen könne, gebe es eine Sonderregelung, dass „unbürokratisch der Eintritt in den Zoo gewährt“ werde. Makezoopay-Sprecher August nennt diese Regelung „besonders zynisch“ und kündigt „weitere Aktionen“ an.